DANK DER AR-LIVE AM DTM-FINALE IN HOCKENHEIM

Günther Stromberger, Hermann Köppli, Etienne Christe und Roland Salomon sind nicht die neuen Helden der Rennstrecken – aber allemal Sieger. Als Gewinner des AR-Leserwettbewerbs waren sie am DTM-Finale in Hockenheim dabei.

Günther Stromberger, Hermann Köppli, Roland Salomon und Etienne Christe (v.l.) haben in Hockenheim unter anderem den DTM-Audi-Piloten Nico Müller persönlich kennengelernt. © MS

Es lohnt sich eben doch, Zeitung zu lesen. Dank der Zusammenarbeit mit Bosch konnten die Leserinnen und Leser dieser Zeitung an einem Wettbewerb teilnehmen, an welchem sie ein VIP-Ticket für das Saisonfinale des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) auf der Schweizer Heimstrecke in Hockenheim gewinnen konnten. Zahlreiche Abonnenten der AR beteiligten sich am Preisausschreiben, um sich einen solchen «Erlebnis-Pass» zu sichern. Immerhin lockte da ein Ticket im Wert von rund 900 Franken, be­inhaltend Hin- und Rückfahrt, Kost und Logis und beste Tribünenplätze. Am zweiten Renntag hatten die Gewinner zudem die Gelegenheit, den Schweizer DTM-Star Nico Müller live in der Box zu treffen. Der Berner Profirennfahrer nahm sich Zeit für die «Fans» aus seiner Heimat und war froh darüber, dass er für einmal auf Schweizerdeutsch von seinem Job berichten konnte. «Das kommt sonst nicht so oft vor.» In der Regel wird in Müllers Job als Audi-Werkspilot in Englisch oder Deutsch kommuniziert.

Oben-ohne-Trio steht daheim
«Er hat sich richtig Zeit genommen, um uns alles zu zeigen und zu erklären. Das war schon etwas sehr Besonderes», sagt Günther Stromberger. Der pensionierte Elektroingenieur aus Meggen LU ist einer der Gewinner. Wie für die anderen auch, war die DTM aus dieser Nähe auch für ihn etwas Neues. «Es hat mir sehr gut gefallen», sagt der Auto-Fan, in dessen Garage zu Hause unter anderem ein Jaguar E-­Type, ein Ferrari 308 Cabrio und ein MG B stehen. «Ich kann die Autos zwar selber zerlegen und zusammenbauen, wenn es aber um Spezialarbeiten geht, bin ich auf die Hilfe von Fachleuten angewiesen», erzählt Stromberger. Im Alltag ist der weitgereiste Mann mit regem Interesse an allem, was um ihn herum geschieht, mit einem BWM unterwegs. Was Stromberger und seine Mitgewinner in Hockenheim an Sportlichem zu sehen bekamen, war unglaublich laut und interessant. Nebst der DTM war auch die Formel-3-EM, der Audi tt-Cup und der Deutsche Porsche-Cup in Aktion. Für Abwechslung seitens der Protagonisten war also gesorgt. «Das Tempo dieser DTM-Autos ist schon beeindruckend», sagt Stromberger. In den beiden abschliessenden Rennen ging es immerhin noch um die Meisterschaft. In Lauf eins vergrösserte der nachmalige Meister Marco Wittmann in seinem BMW seinen Vorsprung von 14 auf 17 Punkte.

Dass hinter Wittmann der in Genf lebende Edoardo Mortara eine spektakuläre Show abzog und sich von Rang 8 auf Rang 3 durch­walzte, gefiel auch Roland Salomon aus Fraubrunnen BE. Auch er ist ein Gewinner. Früher habe er ein «Alphabet» besessen. Will heissen: einen Jaguar C-, D- und E-Type. Mit diesen Autos fuhr der Berner regelmässig ans Goodwood Festival of Speed in Westhampnett bei Chichester in Südengland. «Heuer ging ich erstmals seit vielen Jahren nicht mehr», sagt Salomon. Wenn er schon da sei, dann «will ich auch ins Fahrerlager.» Schliesslich habe er im Verlauf der Jahre viele Piloten und Begleitpersonen persönlich kennengelernt. «Aber es ist immer schwieriger, ja, fast unmöglich geworden, noch Tickets zu bekommen, um da reinzukommen», sagt Salomon. Ergo verzichte er eben. So ­bleibt mehr Zeit für eine Ausfahrt im noch übrig gebliebenen E-Type und den neu dazugekommenen «Deux Chevaux» und dem legendären «Gangsterauto» ,  dem Citroën Traction Avant. «Gangsterauto» deshalb, weil es bei Verbrechern wegen seiner aussergewöhnlich guten Fahreigenschaften beliebt gewesen sein soll. Angeblich lieferten sich im nationalsozialistisch besetzten Frankreich der 1940er-Jahre die SS beziehungsweise die Gestapo und die Résistance damit Verfolgungsjagden. Ein Werbespruch von Citroën lautete: «La Traction Avant dompte la force centrifuge». Oder: «Der Traction Avant zähmt die Zentrifugalkräfte». «Eigentlich wollte ich mit dem Kauf dieses Autos zuwarten, bis ich den E-Type verkauft habe – aber es ist dann doch ein bisschen anders gekommen», schmunzelt Salomon. Schliesslich muss man als Auto-Schöngeist einfach zugreifen, wenn sich einem eine solche Chance wie der Traction bietet …

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Der Alfa-Liebhaber
Gegen die DTM-Boliden auf der Rennstrecke hätte bei einer Verfolgungsjagd auch der Traction «kein Brot». In der DTM sind andere Geschosse unterwegs. Selbst wenn von Tourenwagen in dem Sinn kann keine Rede mehr sein. Die Autos sind Prototypen. Eingesetzt werden technisch und aerodynamisch ähnlich konzipierte Silhouettefahrzeuge mit einem zentralen Monocoque aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff und Gitterrohrstrukturen. Ein Vierliter-V8-Motor mit einer Leistungsbegrenzung auf rund 470 PS (346 kW) treibt die Hinterräder über einen einheitlichen Antriebsstrang an. Auch Bremsen und Elektronik stammen von jeweils einem Zulieferer – von Bosch (s. Text auf dieser Seite). Auf diese Fahrgestelle werden Kunststoffkarossen montiert, die den Serienautos sehr ähneln und vor Beginn der Meisterschaft im Wind­kanal verglichen und auf Chancengleichheit angepasst werden. Seit 2012 dient bei Audi der A5, seit 2013 der RS 5 als Vorbild, bei Mercedes-Benz der C Coupé, bei BMW seit 2014 der M4. Der 70-jährige Hermann Köppli interessiert sich sehr für die Technik. Schliesslich war er sein Leben lang in der Autoindustrie tätig. «Ursprünglich habe ich eine Lehre als Automechaniker gemacht», erzählt er. Später sei er in diversen Betrieben in der Logistik tätig gewesen. Simca, Ford, Alfa, Fiat oder zuletzt Mercedes sind Marken gewesen, die Hermann Köppli beruflich begleitet haben. «Meine ganz grosse Liebe aber gehört seit je Alfa Romeo», strahlt der Ostschweizer aus Neuhausen SH, nahe am Rheinfall. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er sich heuer zum 70. Geburtstag einen Maserati Quattroporte geleistet hat. Und auch nicht der Fakt, dass ihn die neue, für so viele Schlagzeilen sorgende Giulia von Alfa nicht wirklich begeistert. «Das Auto ist sehr schön», sagt Kenner Köppli, «keine Frage.» Aber zum Fahren sei es unpraktisch. Die Schaltwege seien zu lang. Und dann ist das Ding ja auch viel zu teuer – zumindest der Benziner. Die andere Motorvariante, der Turbodiesel, kommt für den bekennenden «Alfisti» überhaupt nicht infrage. «Das geht ja gar nicht.» Darum ist der Maserati etwas fürs Gemüt des gemütlichen und gute Laune verbreitenden Schaffhauser AR-Lesers. Köppli hat immer eine spannende Geschichte aus seinem reich befrachteten «Auto-Leben» parat. Selber sass er in Hockenheim auch schon am Steuer; genauso übrigens wie sein Gewinner-Kollege Stromberger. Und auch als DTM-Zuschauer war Köppli schon einmal da. «Das war damals, als Alfa noch dabeiwar», erinnert er sich. Alfa Romeo fuhr von 1993 bis 1996 in der originalen DTM und der ITC mit. Insgesamt brachte es die Marke auf 42 Laufsiege, womit sie hinter Mercedes, BMW und Audi auf dem vierten Platz der ewigen Siegerliste der DTM liegt. Mit Nicola Larini triumphierte Alfa Romeo 1993 zudem in der Fahrerwertung. Als Einsatzauto kam damals der 155 V6 TI zum Einsatz. Gerüchte, wonach Alfa 2017 wieder in die DTM zurückkehrt, haben sich bislang nicht bestätigt. Seinerzeit sassen Köppli und seine Bekannten und Freunde jeweils in der Sachs-Kurve – diesmal, als Leserwettbewerbs-Gewinner der AR zusammen mit den anderen direkt auf der Höhe von Start und Ziel auf einem gedeckten Sitzplatz. «Das ist schon nobler», meint Köppli. Noch lieber hätte es der Motorsport-Fan natürlich gesehen, wenn der Berner Nico Müller, den er ja nun persönlich kennt, einen Spitzenplatz rausgefahren hätte. Doch für diesen verläuft das finale Weekend sportlich enttäuschend. Dem Rang 15 im ersten Rennen lässt Müller den Rang 13 im zweiten und abschlies­senden Lauf der Saison 2016 folgen. Zu Beginn der Saison Anfang Mai hatte es für den Berner in Hockenheim noch für die Ränge 7 und 3 gereicht. Trotzdem geht für ihn in seinem Audi RS5 die erfolgreichste DTM-Meisterschaft zu Ende. Ende Juni feierte er auf dem Norisring seinen ersten DTM-Laufsieg. In der Endabrechnung ist Müller unter 24 Fahrern guter Neunter.

Bis der falsche Gang kam
Auch Hermann Köppli hat schon rennsportliche Erfahrungen gemacht. «1986 und 1987 habe ich an der Schweizer Slalom-Meisterschaft mitgemacht», erinnert er sich. Seine Frau habe dann jeweils gesagt: «Spinnsch wieder», wenn er wieder auf Achse gewesen sei.  Des Schaffhausers Motorsport-Aktivität basierte jedoch allein auf dem Plauschfaktor. «Nein, Ambitionen, als Rennfahrer Karriere zu machen, hatte ich nie. Allein schon, weil ich nie das Geld dazu gehabt hätte.» Sein Hobby liess sich Köppli damals  rund 10 000 Franken pro Saison kosten. «Das war schon damals ein ‹Klacks› im Vergleich zu anderen.» Für ihn sei die Freude an der Sache im absoluten Vordergrund gestanden. Eine Freude, die abriss, als er einmal in einem Rennen den  «falschen Gang erwischt» habe und der Motor dies mit einem unwiderrufbaren Total-Boykott sämtlicher Aktivitäten quittiert habe. «Das wars dann», lacht Köppli heute. Kein Problem für den dreifachen Familienvater, dem es nie langweilig wird. «Ich habe auch noch eine grosse Eisenbahnanlage und seit meine Söhne ausgezogen sind, viel Platz dafür.» Und auch sonst ist der engagierte Autofan an vielem interessiert. So geniesst er wie alle anderen die Events, die sein Gewinn abseits der Rennenstrecke beinhalten.

Etwa die Stadtführung, die etwas kürzer als geplant ausfällt, weil schon der nächste Programmpunkt wartet. Es geht im DTM-Tempo vorwärts. Nach den spannenden Einsichten in die Geschichte des weltberühmten Schlosses Heidelberg – die Schlossruine aus rotem Neckartäler Sandstein erhebt sich 80 Meter über dem Talgrund am Nordhang des Königstuhls und dominiert von dort das Bild der Alt­stadt – geht es Richtung Brauerei. Heidelberg, nahe Hockenheim, wo die Wettbewerbsgewinner nächtigen, ist nebst dem Schloss und seiner Universität auch für sein einheimisches Bier bekannt. In den Mauern der Kulturbrauerei Heidelberg steckt eine Menge Geschichte. Der ehemalige Wirtschaftshof wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt. Im 18./19. Jahrhundert braute dann die Familie Schaaf ihr Bier – und das über mehrere Generationen. Wo früher für das Wirtshaus «Zum Seppl» und andere Heidelberger Lokale Braumalz gewonnen und Bier gebraut wurde, ist heute einer der beliebtesten Treffpunkte für Heidelberger und Gäste aus aller Welt. So auch für die AR-Siegergruppe, die sich selbst von der wohl­schmeckenden Qualität des Maibock, Scheffelator Fastenbock, hellen und dunk­len Hefeweizen, Kräusen und anderen Biersorten überzeugt. Diese Ambiance im Hofbräuhaus-Look geniesst auch Etienne Christe aus Bassecourt JU. Auch er ist einer der Sieger. «Das Ganze war wirklich eine tolle Erfahrung und eine gelungene Sache», so der Romands und Renault-Fah­rer der Truppe. Auch Christe liebt natürlich das für ihn neue Gedröhne und Geballere der Boliden, die in der DTM für Emotionen ohne Ende sorgen. Das alles dank dieser Zeitung einmal aus nächster Nähe zu erleben, war darum auch für ihn aus dem  Distrikt Delsberg im Kanton Jura ein Erlebnis, das ihm «zweifellos noch lange in Erinnerung bleiben wird».

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