SENIOREN IN GEFAHR

Ein Bericht der bfu erinnert daran, wie ältere Menschen im Strassenverkehr gefährdet sind.

Das erhöhte Gefahrenpotenzial für Senioren im Strassenverkehr ist wohlbekannt. © zVg.

Das Thema ist brisant und nicht neu: Die Senioren gehören zu den Bevölkerungsgruppen, die den Gefahren im Strassenverkehr am stärksten ausgesetzt sind. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) unterstreicht diese Fakten einmal mehr in ihrem Sinus-Report 2016 (Sicherheitsniveau und Unfallgeschehen im Strassenverkehr). In den vergangenen zehn Jahren sind die schweren Unfälle bei den 18- bis 45-Jährigen um 45 % zurückgegangen, während bei den über 65-Jährigen ein Anstieg um 18 % zu verzeichnen war. Auch wenn diese Zahl wegen der sich wandelnden Demografie zu relativieren ist (der Anteil der Senioren hat im gleichen Zeitraum um 25 % zugenommen), so zeigt sie doch den Ernst der Problematik auf.
Die Statistiken der bfu belegen, dass die älteren Menschen als Fussgänger besonders schweren Unfällen ausgesetzt sind (30 % der Schwerverletzten und 40 % der tödlich Verunglückten im Jahr 2015), aber auch als Fahrer von Elektrovelos (Zunahme von 18 auf 65 % zwischen 2011 und 2015). Als Autofahrer sind die Senioren doppelt so häufig für schwere Unfälle verantwortlich wie die 25- bis 64-Jährigen.

Verschiedene Risikofaktoren
«Senioren sind im Strassenverkehr eher gefährdet als gefährlich», erklärt Uwe Ewert, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschung bei der bfu. Weitere bedeutende Risikofaktoren sind kognitive Veränderungen wie räumlich-visuelle Fähigkeiten, Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit sowie Schwierigkeiten bei der Abschätzung von Entfernungen und Geschwindigkeiten. Das Gesetz schreibt übrigens vor, dass sich Leute über 70 alle zwei Jahre einer ärztlichen Untersuchung unterziehen müssen, um sich ihre Fahrtüchtigkeit bestätigen zu lassen. Für die bfu ist klar, dass nur eine koordinierte Strategie mit verbesserter Strasseninfrastruktur und fortschrittliche Sicherheitssysteme der Fahrzeuge zu einem besseren Schutz der älteren Personen führen werden.
Problem der Eigenverantwortung
Blaise Willa, Chefredakteur der auf Senioren ausgerichteten Zeitschrift «Générations» sieht in der Diskussion um die Unfälle keine Altersdiskriminierung: «Es handelt sich um Fakten. Die Gesellschaft schätzt das Alter und die Erfahrung nicht im genügenden Mass, aber wenn man strengere Bestimmungen für ältere Leute erlässt, die nicht mehr fahrtüchtig sind, dann folgt das einer eindeutigen Logik. Voraussetzung ist, dass die Fakten richtig kommuniziert werden. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Fahrtüchtigkeit der Eigenverantwortung unterliegt, egal ob die Betroffenen nun 25- oder 85-jährig sind.
Blaise Willa meint weiter: «Vergessen Sie nicht, dass das Auto für die Senioren eine wichtige soziale Verbindung darstellt; sie können den Kontakt mit ihren Familien behalten und ihre Unabhängigkeit und Mobilität geniessen. Wenn älteren Leuten aus Sicherheitsgründen der Führerausweis entzogen wird, dann ist es Aufgabe der Behörden, der Kantone und der Gemeinden, ihnen die Autonomie zu sichern, etwa durch einen Taxi-Dienst. Die Gesellschaft muss Lösungen für die Senioren finden, die nicht mehr selber fahren können.»

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