DER AUTOMOBILSALON IN GENF 2016: SUV, SPORTWAGEN UND KONZEPTE

Der Automobilsalon in Genf war schon immer ein Ort der „Autoträume“. Diesem Ruf wird der Salon auch 2016 gerecht: tolle Sportwagen, schöne Conceptcars und mächtige SUVs sind zu sehen. Etwas vermisst werden die preisgünstigen, verbrauchsarmen Fahrzeuge – was nicht zuletzt am tiefen Spritpreis liegen könnte.

Es ist ein Meilenstein in der über 100-jährigen Geschichte: mit dem neuen MASERATI LEVANTE präsentiert der Sportwagenhersteller auf dem Genfer Automobilsalon 2016 erstmals ein SUV.

Allgemeiner Zustand des Pw-Marktes

Die Pw-Verkäufe steigen von Jahr zu Jahr an, was zum Teil mit der steigenden Weltbevölkerung zu tun hat, zum anderen straft es aber auch ein wenig den schlechten Börsenverlauf in den letzten Monaten Lügen: Wir zweifeln daran, dass die Weltwirtschaft wirklich so schlecht dran ist, wenn die Menschen von Jahr zu Jahr mehr und mehr Autos kaufen. Mittlerweile werden pro Jahr 80 Mio. Pws verkauft. Zum Vergleich: im Jahre 2000 waren es noch 48 Mio. verkaufter Pw.

Allgemeiner Eindruck Automobilsalon Genf 2016

Auch dieses Jahr ist es eine sehr schöne Automesse mit vielen tollen Neuheiten und aufregenden Conceptcars. Leicht einschränkend darf aber auch gesagt werden, dass die ganz grosse Neuheitenflut nicht stattgefunden hat. Zum einen wurden viele Fahrzeuge schon in den letzten Wochen und Monate in den USA und an anderen Orten gezeigt, zum anderen gibt es ganz natürlich immer wieder Jahre, in denen die Hersteller eine Verschnaufpause machen – um im nächsten Jahr mächtiger durchzustarten. BMW ist da bspw. so ein Fall.

Trotzdem: Genf versteht es Jahr für Jahr, die Phantasie anzufachen und manch einer überlegt sich da, ob er jetzt wirklich in den Kauf einer neuen Wohnung investieren soll….wenn er für das gleiche Geld auch einen wunderschönen Ferrari Lusso, Ford GT oder Aston Martin DB11 kaufen kann.

SUV, Sportwagen – aber kaum Kleinwagen

Insgesamt stehen in Genf dieses Jahr besonders viele neue SUVs, neue, schöne Sportwagen und auch auch viele tolle Limousinen und Kombis . Man vermisst allerdings etwas die Neuheiten im Kleinwagensegment oder die Familienvans. Bei den Kleinwagen gab es dieses Jahr gerade einmal zwei nennenswerte Neuheiten (VW up! Und Suzuki Baleno).

Limousinen

Sie stehen 2016 etwas im Banne der neuen E-Klasse, die mit einem zusätzlichen, kleinen Schritten die „Autonomietreppe“ emporklettert. Die neue E-Klasse lässt sich auch bis in höhere Tempi halbautonom über die Autobahn steuern (ähnlich des Teslas S) – jedenfalls braucht in gewissen Situationen nicht mehr gelenkt zu werden. Die anderen Hersteller werden in den nächsten Monaten oder Jahren nachziehen (müssen). Neuheiten bei den Limousinen und Kombis: Mercedes E-Klasse, Audi S4 Avant, Kia Optima Sportswagon, Renault Talisman Grandtour, BMW M760Li xDrive, Bentley Mulsanne, Alfa Giulia, Alpina B7 Bi-Turbo, Volvo V90, Fiat Tipo Kombi, Skoda Octavia RS 4×4.

Conceptcars

Ein Highlight 2016 sind – wie schon in den Vorjahren – die Conceptcars. Unter anderem der Mazda RX-Vsion, der wacker die Wankelmotorenfahne hochhält. Ihm allerdings etwas die Show stahl ein klammheimlicher Zugang, der er in allerletzter Minute bekanntgegeben wurde: DS E-Tense – ein wunderschöner, kleiner Sportwagen! Und noch ein drittes Conceptcar ist unbedingt erwähnenswert: der Opel GT. Opel beweist damit, dass Sportwagen nicht riesig sein müssen, um begehrenswert zu sein.

Des weiteren sind zu sehen: Skoda Vision S, Lexus LF-FC, Honda Civic Hatchback, Ssangyong SIV-2, Subaru XV Concept, VW T-Cross Breeze, Mitsubishi eX, Nissan IDS.

Treibstoffpreise beflügeln SUV-Absatz

Die günstigen Treibstoffpreise fangen an, sich ganz klar auszuwirken. Zwar entwerfen Automobilhersteller ihre Modelle weit vorher, aber in Zeiten, wo das Benzin unter 1.5 Franken kostet, sind eher leistungsstarke Modelle gefragt – insbesondere in der Schweiz.

Zweitens zeigt sich, dass Prestige eigentlich immer den Nutzen übertrifft. Gut ersichtlich ist das bei den Grossraumlimousinen und „Van-artigen“ wie einem VW Sharan, Touran, oder einem Opel Zafira. Um die Jahrtausendwende waren sie die Stars im Portfolio der Hersteller, bekamen schnelle Updates spendiert. Eine ganze Familie passt da hinein und sie verkauften sich wie geschnitten Brot.

Doch seit es die SUV-Konkurrenz gibt, insbesondere seit die SUV auch etwas kleiner angeboten werden, haben die Vans ausgespielt. Zwar werden sie nach wie vor in grossen Stückzahlen verkauft, doch das Publikum ist weitergezogen und bedient sich bei den zahlreichen SUV-Ablegern und bei den Crossover.

Die SUV sind, rein nüchtern betrachtet, aber keineswegs die bessere Wahl: sie bieten bei ähnlicher Preislage zumeist weniger Platz und sind erst noch Sprit-durstiger, weil ihre hochbeinige Karosserieform vor allem auf der Autobahn einen schlechten cw-Wert abliefert.

Doch eben….selbst der brave Familienvater möchte einen dieser trendigen SUVs für seine Familie haben…und die Automobilindustrie hat sich darauf nun eingestellt und bedient diese Wünsche.

Sollten die Spritpreise aber plötzlich wieder nach oben schiessen, in die Gegend von 2 Franken und darüber, könnte die Luft aber für die SUVs dünn werden. Nicht nur, weil sich das an der Zapfsäule auswirkt, sondern, weil dann die Karawane abermals weiterzieht und das SUV-Erscheinungsbild plötzlich nicht mehr gefragt ist.

Neuheiten bei den SUVs/Crossover 2016: Kia Niro, Toyota Hilux, Ford Ranger, Opel Mokka X, Ssangyong XLV, Citroen C4 Cactus Rip Curl, Jaguar F-Pace, Bentley Bentayga, Ford Edge und Kuga, Ranger Rover Evoque Cabrio, Toyota RAV4 Hybrid, Seat Ateca, Maserati Levante, Infiniti QX30, Audi RS Q3 Performance, Kia Sportage, Peugeot 2008.

Sportwagen: Salz in der Suppe

Gross trumpfen dieses Jahr die Sportwagen und Konzept-Sportwagen in Genf auf. Und das ist gut und schön so, in Genf wurden schon immer solche Auto-Träume gezeigt. Sie sind das Salz in der Suppe. Manche Medien sind zwar über die Supersportwagen vom Schlage eines Bugatti Chiron mit 1500 PS hergezogen, weil die extrem teuer sind und grausam Sprit saufen. Aber bitteschön…davon werden gerade mal 50 pro Jahr produziert, die meisten davon dürften sowieso sofort in einer Sammlung verschwinden – also soll man bitten den Autofahrern ihre Träume lassen. Neuheiten 2016: Ford GT, Aston Martin DB11, Porsche 911R, Jaguar F-Type SVR, Infiniti Q60, Bugatti Chiron, BMW M2, Toyota GT86FS, Ferrari GTC4 Lusso, McLaren 570 GT

Stichwort Elektrifizierung:

2016 ist das Jahr nach der Abgasaffäre und daher ist es nicht verwunderlich, dass alle Hersteller die Dieseltechnik nicht ganz zuvorderst hingestellt haben. Versteckt werden die Dieselfahrzeuge allerdings auch nicht. Es fällt auf, dass fast alle Hersteller ihre Plug-in-Hybridtechnik in den Vordergrund gerückt haben, an vielen Ständen sind Schnittmodelle der Motoren zu sehen.

Die Plug-in-Hybride sind wie gesagt weiter auf dem Vormarsch, vor allem, weil der derzeit noch gültige NEFZ-Fahrzyklus sie bevorteilt. Doch vermutlich haben die Plug-in-Hybride nur einen temporären Auftritt, die Zeichen zeigen ganz klar in Richtung vollelektrisches Fahrzeug. Tesla hat mit dem Model S dann ein zwar teures – doch kompromissloses Auto im Angebot. Mit dem Model muss man sich keine Sorgen auf der Autobahn machen, dass einem alsbald der Saft ausgeht….und der Erfolg lässt nicht auf sich warten: ziemlich selbstbewusst präsentiert sich Tesla mitten in der Halle 4 im Zentrum der Palexpo-Hallen.

Wo Genf sich noch profilieren könnte

Drei Gebiete werden im Automobilbau in den nächsten Jahren vor allem von sich reden machen: effiziente Motorentechnik (inkl. Elektromotoren), teilautomatisiertes Fahren und Digitalisierung. Für letzteres hat sich vor allem die CES in Las Vegas einen Namen gemacht, das teilautonmatisierte Fahren indes ist schwer an einem Stand vorzeigbar – aber vielleicht findet ein Hersteller ja eine schöne, vorzeigbare Lösung.

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