EDITORIAL: WIE DER PHÖNIX AUS DER ASCHE

Von Eugenio D’Alessio, Redaktor

Ein wenig dem Vorbild Deutschlands folgend, beeindruckt Südkorea mit der Brillianz seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Gerüttelt vom Krieg mit dem kommunistischen Regime Nordkoreas, der das Land in den Jahren 1950 bis 1953 arg mitgenommen hatte, begann in den 1960er-Jahren ein beeindruckender Neubeginn und ein steiler Anstieg, der darin gipfelt, dass Südkorea heute die zwölftstärkste Wirtschaftskraft weltweit ist. Innerhalb von gut einem halben Jahrhundert haben es die Südkoreaner geschafft, eine Spitzenposition bei der Entwicklung neuer Technologien im Sektor der Informatik und Elektrotechnik, sowie auch – natürlich – im Automobilsektor zu einzunehmen. Die Wirtschaftskraft von Grosskonzernen wie Samsung, LG, Hyundai oder SsangYong ruft eine Mischung aus Bewunderung, Erstaunen und Ehrfurcht hervor.
Der Geist dieses Wirtschaftswunders schwebt durch die Strassen von Seoul und liegt auch im Werk von SsangYong in der Luft (Seiten 6 bis 11). Die Grossstadt mit über 25 Millionen Einwohnern widerspiegelt die mehrheitlich christliche Bevölkerung Südkoreas und bietet ein kunterbuntes Bild aus enormen Wolkenkratzern, protestantischen und katholischen Kirchen, wie auch buddhistischen Tempeln. Riesige Schilder mit der Aufschrift «Jesus begleitet dich» stehen Seite an Seite mit Leuchtreklamen von Samsung.
Der Konkurrenzkampf zwischen geistlichen und weltlichen Werten ist in Südkorea allgegenwärtig und möglicherweise ist gerade er der Schlüssel für den Erfolg des Landes. Höflich, zuvorkommend, gastfreundlich und sympathisch sind sie, die Einwohner Südkoreas, aber stets mit eiserner Disziplin, mit der sie alle Grenzen überwinden, um global ganz vorne mitzuspielen. Und nicht zuletzt verehren sie die Führer ihrer Grosskonzerne wie Halbgötter.
Der Einfluss von Konfuzius schwingt immer noch mit im Südkoreanischen Alltag: «Sie setzt sich zusammen aus dem Respekt gegenüber seiner Arbeit, der Wissbegierde, dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie sowie der Disziplin und Loyalität gegenüber dem Staat und dem Arbeitgeber», erklärte ein Uniprofessor. Die Geschichte von
SsangYong, vor wenigen Jahren noch dem Untergang geweiht, heute wie der Phönix aus der Asche zu einem globalen Automobilhersteller geworden, widerspiegelt so gewissermassen die Geschichte eines Landes, das sich aus den Ruinen der 50er-Jahre zu einer Wirtschaftsmacht entwickeln konnte.

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