US-Cars – ein Mustang mit etwas Mehraufwand

Überschall war es nicht, was der Ford Mustang als Mach 1 ab 1969 bot. Doch er war eine Lektion in gelungener Ausstattungs- und Aufpreis-Politik.

  • Mach 1 als Ausstattungspaket
  • 72’458 Exemplare verkauft im Jahr 1969
  • Nur echt mit acht Zylindern
     
    Mit dem Mustang hatte Ford 1964 ein klares Ausrufezeichen gesetzt. Obwohl nicht der erste Pony-Car (diese Ehre gebührt wohl dem Plymouth Barracuda), schlug die erste Generation des Mustang eine Kerbe in die Verkaufslandschaft, 1966 wurden über 600’000 Exemplare verkauft. Die Modelljahrgänge 67/68 waren schon etwas grösser, kamen aber bei den Kunden nicht mehr so gut an. Also gab es ab 1969 noch ein bisschen mehr Speck auf die Hüften – und gleich eine ganze Reihe von zusätzlichen Ausstattungsvarianten. Die seltenste davon war der Mustang E (für die Benzin-Sparer – von denen es bloss etwa 50 gab in ganz Amerika), die teuerste der «Grande» (mit zusätzlichem Dämm-Material), die schärfste der Boss 302 – und die beliebteste der hier beschriebene Mach 1.
Nur schon dieser Farbe: «Silver Jade» – Mecum

Das «Mach 1»-Rezept war ganz simpel: Ford durchforschte seine Regale – und mischte ein paar Optionen zusammen. Ausser ein paar Aufklebern, etwas Mehraufwand bei der Lackierung und den auch nur überarbeiteten Felgen (mit Goodyear-Polyglas-Reifen) war eigentlich nichts neu. Das «Competition»-Fahrwerk konnte man auch sonst bestellen, genau wie das «Deluxe»-Interieur. Die «SportSlats» (also die Heck-Jalousie), den Lufteinlass auf der Motorhaube und die Spoiler hinten wie vorne gab es auch beim Boss 302/429. Wie auch immer: der Mach 1 war ein grossartiger Erfolg, im Modelljahr 1969 konnten 72’458 Exemplare verkauft werden.

Man darf nicht vergessen: Mach 1 war einfach eine Ausstattungsvariante – Mecum

Das Paket gab es nur für den Fastback (der bei Ford offiziell «SportsRoof» hiess), wenn da als «Body Style» nicht C63 steht, dann ist es sicher kein echter Mach 1. Nachträgliche Umbauten gibt es aber trotzdem reichlich. Wenn es sich dabei um Sechszylinder handelt, dann sind sie auch falsch: den Mach 1 gab es nur mit acht Zylindern (wir schreiben hier nur von der ersten Generation, 1969/70). Da hingegen war die Auswahl dann gewaltig: Standard war der 351er-Windsor mit 253 PS und 481 Nm maximalem Drehmoment, der kam dann als Basis mit einem manuellen 3-Gang-Getriebe. Es gab den 351er auch als «4-barrel», dann mit 294 PS und 522 Nm. Nächste Stufe: 390 cubic inch (also 6,4 Liter Hubraum), 324 PS, 479 Nm.

Nur echt mit acht Zylindern. Stimmt hier auf jeden Fall – Mecum

Und dann waren da noch die verschiedenen 428er Cobra Jet mit und ohne «Ram Air», dazu auch noch der Super Cobra Jet, die aber alle mit der gleichen Leistung von 340 PS und 597 Nm maximalem Drehmoment angegeben wurden. Obwohl jedem klar, dass da so nicht stimmte. Für die bösen Geräte waren unterschiedliche untersetzte Hinterachsen erhältlich, es gab sie manuell mit vier Gängen und automatisch mit deren drei, auch das Fahrwerk wurde noch einmal angepasst. Doch all das hatte Ford auch im Regal, vom Boss 429 etwa.

Das so klassische Mustang-Innenleben; die Sitze sehen nicht sonderlich bequem aus – Mecum

Das Problem war so ein bisschen: Irgendwie wollte das alles nicht zusammengehören. «Car and Driver» vermerkte im November 1969, dass die Motoren gut seien, dass auch das «Überschall»-Styling hübsch anzusehen sei, aber: «Trouble is, they have to go together or they won’t go at all». Die Tester bemängelten das heftige Übersteuern des doch 1636 Kilo schweren Mach 1 Cobra Jet – bei dem auch bei vollem Tank fast zwei Drittel des Gewichts auf die Vorderachse stemmten. Das führte dann auch zu (einigermassen) enttäuschenden Beschleunigungs- und miserablen Bremswerten. Das wurde auch für den Modelljahrgang 1970 nicht besser, die 428er blieben mit Ausnahme von neuen Aufklebern fast gleich, die wichtigste Neuerung war der 351er-Cleveland-V8, der den doch in die Jahre gekommenen Windsor ersetzte.

Das Fahrverhalten war nicht über jeden Zweifel erhaben, da war zu viel Kraft – Mecum

Danach ging es nur noch bergab, zuerst kam der 4,9-Liter-Windsor als Basis (1973 noch mit 149 PS…), dann wurden die 429er aus dem Programm gekippt, ab 1973 mussten üble Stossstangen angebaut werden. Auch vom offiziell als Mustang II bezeichneten Modell (1973-1978) gab es noch «Mach 1»-Versionen, obwohl gerade der 2,8-Liter-Sechszylinder mit seinen müden 104 PS doch ziemlich weit von Überschall entfernt war.

Die meisten Mach 1 hatten vorne einen kleinen Spoiler – Mecum

Das Exemplar, das wir hier zeigen, wurde 1969 von Ford als Testwagen an die Presse verliehen, genau dieser Wagen erscheint in einem ausführlichen Test von «Car Life». Der Mach 1 verfügt über quasi alles, was man damals wollte, 429er-Cobra-Jet mit «Ram Air», eine spezielle Lackierung namens «Silver Jade», kurze Hinterachse, (allerdings) 3-Gang-Cruise-O-Matic. Der Ford stand viele Jahre im Horten Classic Car Museum, jetzt kann man ihn bei Mecum ersteigern.

Die meisten Mach 1 hatten auch hinten einen Spoiler – Mecum

Wir werden dann zu einem späteren Zeitpunkt noch so einen interessanten 69er Mustang vorstellen. Dies in unserer Serie von US-Cars, die wir mit einem aussergewöhnlichen Dodge Hemi Challenger, einem sehr seltenen Yenko-Camaro, einer speziellen Corvette und einem schönen Pontiac GTO begonnen hatten. In der monatlich erscheinenden Klassik-Beilage der AUTOMOBIL REVUE finden Sie immer schöne Old- und Youngtimer. Abos gibt es: hier.

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