MÄCHLER BAUT FÜHRUNG IM SUPER-DREIKAMPF AUS

Marcel Maurer holt sich in eindrücklicher Manier den Tagessieg beim wohl letzten Slalom in Saanen BE. Albin Mächler gewinnt nach einem famosen Höllenritt in der «Top-Prestigeklasse».

Albin Mächler gewinnt auf seinem BMW M2 in souveräner Manier das «Motorboot»-Rennen auf dem Flugplatz in Saanen BE. © Gilles Rossel

Es gibt eine Kategorie im Rahmen der Slalom-Schweizer Meisterschaft, die dieses Jahr besonders im Fokus der interessierten Öffentlichkeit steht. Mit Albin Mächler, Danny Krieg und Jürg Beiner streiten sich in der Tourenwagenklasse E1 über 3 Liter drei bekannte Grössen der nationalen Szene auf drei verschiedenen Fabrikaten um den Klassensieg; allenfalls gar um den Titel. Auf jeden Fall geht es in diesem Feld um den «Prestige-Oskar 2017». Dies, nachdem Krieg, der Bergpokalsieger 2016, vom 300 PS starken Audi A4 auf einen Porsche 997 Cup umgestiegen ist und nun auch in dieser Abteilung mitmischt. Verblüffend stark fährt bislang der  Bündner Jürg Beiner. In Frauenfeld TG gewann der Früchte- und Gemüsehändler aus Landquart GR mit einem fantastischen Run von unter 2 Minuten vor Krieg. Mächler dagegen, der zum Auftakt in Interlaken BE triumphierte, lief es in Frauenfeld gar nicht. Mehr als Rang 6 lag auf der Allmend für ihn nicht drin. «Weder bei mir noch beim Auto passte es damals», erinnert sich der dreifache Tourenwagenmeister. Das Auto, von dem Mächler spricht, ist ein BMW M2, mit dem er sich durchaus Chancen auf den Meistertitel ausrechnet. Zu Recht, wie Figura zeigt …

Beiner macht der Konkurrenz Beine

Auf der holprigen und löchrigen Strecke in Saanen, wo Mächler 2013 letztmals mitfuhr, feierte der Innerschweizer nun mit seinem agilen  Reihen-Sechszylinder einen weiteren, wertvollen Sieg. Mächler siegte 61 Hundertstel vor Beiner im Lancia Delta S4. Danny Krieg lief es in Saanen BE «pas du tout». Der Porsche wollte auf keinen Fall Motorboot sein und fuhr derlei an den Toren vorbei oder verabschiedete sich Richtung Blumenacker. Letztlich stellte Krieg sein Arbeitsgerät ab und trat die Heimreise an. Damit bleibt es für ihn bis dato bei den beiden zweiten Plätzen aus den beiden Slaloms in Interlaken und Frauenfeld.

Zurück zum Zweitplatzierten: Die Verbindung Beiner-Lancia war ursprünglich temporär angedacht, weil des Bündners BMW MT 3 GTR nicht rechtzeitig fertig wurde. Der BMW soll einen neuen V8-Rennmotor eingepflanzt bekommen. Vor Mitte/Ende Juni wird daraus indes nix. Nun scheint sich die italo-grischa Connection, da sehr harmonisch verlaufend, über die Slalom-Saison fortzusetzen. Zumindest bis zum Slalom in Genf Anfang Juli bleibt alles so, wie es ist. Je nach weiterem Abschneiden könne er sich gar vorstellen, so Beiner, auch die letzten beiden Slaloms zum Saisonende in Drôgnens FR und AmbrÌ TI mit dem Lancia zu fahren. «Es gibt kein besseres Slalom-Auto als dieses», sagt er. Und: «Ich komme mit dem Auto gut zurecht; aber wenn ich es total beherrschen würde, würde es sehr schwer für meine Gegner.» So einen «Bomber» freilich nach inzwischen erst rund 90 Fahrminuten zu beherrschen, wäre selbst für einen neunfachen Rallye-Weltmeister wie Sébastien Loeb knifflig. Immerhin klaffen zwischen dem topmodernen BMW, den Beiner sonst steuert, und dem Lancia 35 Jahre Altersunterschied. Dekaden, die für Piloten punkto Sitzposition, Schaltung, Lenkung usw. viel Ungewohntes mit sich bringen. «Ein leicht mulmiges Gefühl war es schon, als es in Saanen so richtig aus Kübeln zu regnen begann. Ich war vorher mit dem Auto ja noch auf nasser Strecke unterwegs.» Das unterstreicht die tolle Leistung von Jürg Beiner. «Es ist eine Ehre, dieses Auto zu fahren.» Was den Dreikampf mit Mächler und Krieg angeht, so sagt der Lancia-Pilot: «So macht Rennfahren erst richtig Spass.» Als er wusste, dass sein BMW nicht rechtzeitig fertig wird, habe er sich bewusst nach einem Auto umgesehen, das in seiner «Preisklasse» startberechtig ist. Beiner bleibt damit ein ernsthafter Kandidat auf den «Prestige-Oskar 2017».

Am Sonntag in Bure JU geht auf einer ganz neuen, schnellen Strecke ins nächste Kapitel. «Wer sich am besten auf die Verhältnisse und Gegebenheiten einstellen kann, hat gute Chancen zu gewinnen», so Beiner. Das Auto dazu hat  er… Und was meint Mächler? «Ich habe mehr Konkurrenz gesucht und jetzt habe ich sie.» Schliesslich macht es auch ihm mehr Spass, sich mit starker Konkurrenz zu messen, als da je nachdem «Gratisgänge» zu gewinnen. «Wenn die Rechnung aufgeht, ist es umso schöner», so der Garagier aus Wangen SZ.

Ein Ritt auf Kanonenkugel

In Saanen ist die Rechnung für Mächler prima aufgegangen. Aber: «Es war ein Ritt auf der Kanonenkugel», spricht der Routinier die heiklen Verhältnisse an. «Der fuhr um sein Leben», zeigt sich Konkurrent Beiner beeindruckt. «Das war wirklich eine starke Leistung von ihm.» Mächlers BMW schwänzelte wie ein Hund vor dem Festags-Knochen. Der Steuermann selbst hat förmlich gebetet, dass es regnet. «Ich mag Regen ganz gern», sagt er. Auch weil technische Unterschiede dann in den Hintergrund rücken und der Fahrer an Gewicht gewinnt. «Ich habe einfach gespürt, dass es gut wird für mich, wenn es regnet.» Was da indes an Wasser vom Himmel pflotschte sei dann doch grenzwertig gewesen. Man kann sich vorstellen, wie «sexy» es ist, wenn man da mit 170, 180 km/h und mehr in so eine «Glungge» (= Pfütze) reinbrettert. Da ist dann mächtiges Korrigieren am Steuerrad ultimativ Programm. «Es war brutal; so etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Mächler. Und der Mann hat doch schon den einen oder anderen Slalom auf dem Buckel … «Unberechenbar» war derlei das Schlagwort, welches Mächler in Bezug auf die Verhältnisse unterstreichen wollte. Dass er nun als einer der letzten Sieger in die 42 Jahre alten Geschichtsbücher des Slaloms Saanen eingeht, berührt ihn weniger. Wichtiger ist ihm, die «Prestige-Klasse» jetzt anzuführen. «Und so darf es ruhig bleiben», lacht er. 

Der einheimische Tagessieger Marcel Maurer fliegt förmlich Richtung Ziel. © MS

Maurer sensationell

Einer, der auch immer Freude hat, wenn es regnet, ist der 29-jährige Marcel Maurer. «Das Wetter war super für mich», frohlockte der Tagessieger vom Podest runter. «Schade, dass es hier nicht mehr weitergeht. Ich wäre gern wiedergekommen.» Maurer, der schon oft bewiesen hat, dass er im Regen richtig schnell ist, fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden. Der Dachdecker und Fassadenbauer aus Längenbühl BE war dreieinhalb Sekunden schneller als Philip Egli und vier Sekunden besser als Yves Hängärtner. Irgendwie müssen da Fisch-Gene in Maurer drin sein. Eine 1:35er-Zeit unter diesen apokalyptischen Verhältnissen ist grosses Kino. «Für die Rennläufe montierten wir noch die besseren Regenpneus. Die Fahrt war sehr schwierig, aber es ging ziemlich gut auf.» Angesichts dieser Machtdemonstration von Maurer war auch der zweitplatzierte Egli «sehr zufrieden mit dem Ergebnis». «Ich gratuliere Marcel zu der Superzeit.» Nach vorne ging da für ihn gar nichts mehr. Damit entwickelt sich auch in dieser Klasse ein spannender Dreikampf. Nach Hängärtner in Interlaken und Egli in Frauenfeld ist Maurer der dritte Tagessieger im dritten Rennen. 

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