UND VIELE NEHMEN DAS AUTO

Fu╠łr die Ferien ist der Wagen immer noch am beliebtesten.

Es war am vergangenen Wochenende wie gehabt. Kilometerlange Schlangen qua╠łlten sich durch den Gotthard-Strassentunnel auf dem Weg in den Su╠łden. Kilometerlange Staus waren die Folge. Zeitweise hatten die Autofahrer u╠łber zwei Stunden vor dem Gotthard-Nordportal zu warten. Eine nervenaufreibende Sache. Dabei ha╠łtte man doch erwarten ko╠łnnen, dass mit der neuen Neat-Linie ein Umsteigen auf die Bahn vorteilhaft gewesen wa╠łre. Fahrplanma╠łssig wa╠łre man im Su╠łden angekommen und ha╠łtte sich die lange Warterei ersparen ko╠łnnen.

Nichts von all dem. Jedes Jahr herrscht an Ostern das gleiche Bild. Und wenn es dann noch im Tessin scho╠łner und wa╠łrmer ist als in der Deutschschweiz, akzentuiert sich das allja╠łhrliche Schauspiel zusa╠łtzlich. Hinzu kommt, dass Ostern dieses Jahr relativ spa╠łt im Kalender war und in vielen Skigebieten aufgrund der Schneeverha╠łltnisse ans Skifahren nicht zu denken war, weshalb manche es vorzogen, in den Su╠łden zu fahren. Und nicht zu vergessen: Dieses Jahr lag Ostern in vielen Kantonen mitten in den Schulferien.

SBB setzten 30 Extrazu╠łge ein

Um den erwarteten Ansturm zu bremsen, setzten die SBB u╠łber Ostern zwar rund 30 Extrazu╠łge ein und sorgten damit fu╠łr schnelle und staufreie Verbindungen ins Tessin und nach Norditalien. Zudem wurden einige Zu╠łge auch doppelt gefu╠łhrt, um der grossen Nachfrage nachzukommen.

Ebenso verkehrten zwischen Zu╠łrich und Chur GR sowie zwischen Bern und Brig VS viele fahrplanma╠łssige Zu╠łge mit mehr Wagen oder verla╠łngerten Zugkompositionen. Insgesamt standen damit u╠łber 48 000 zusa╠łtzliche Sitzpla╠łtze zur Verfu╠łgung.

Lange Wartezeiten nimmt man hin

Das half aber alles nichts und hat offensichtlich viele nicht davon abgehalten, mit dem Auto in den Su╠łden zu fahren. Sie nahmen die langen Wartezeiten in Kauf, nur um im eigenen Auto unterwegs zu sein. Offenbar ist das Auto allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz fu╠łr viele doch das beliebteste Fortbewegungsmittel. Es verleiht eben dem Einzelnen die Mo╠łglichkeit, sich zu verschieben, wann und wohin es ihm gerade passt. Das Auto bedeutet ein Stu╠łck Freiheit und Unabha╠łngigkeit, auch wenn das fu╠łr viele nicht einsichtig ist.

Zwar ka╠łme es wohl nur den wenigsten in den Sinn, eine Strecke wie BernÔÇô Zu╠łrich im Auto zu absolvieren, zu bequem ist es, dafu╠łr den Zug zu nehmen, ganz abgesehen von der resultierenden Zeitersparnis.

Fu╠łr die Freizeit das Auto

Sobald es aber um die Frei- bzw. Ferienzeit geht, spielen solche U╠łberlegungen eine vo╠łllig untergeordnete Rolle. Da fa╠łllt das Zeitmoment nicht mehr ins Gewicht. Plo╠łtzlich ist es nicht mehr von Bedeutung, dass man spa╠łter am Ziel ankommt als geplant. Hauptsache, man kann abfahren, wann man will. Und es ist halt bequem. Um die Koffer ins Auto einzuladen und die Kinder mit einem Spielzeug auf die Hintersitze zu verfrachten, dafu╠łr nimmt man den Wagen und zieht das Auto der Fahrt im Zug vor. Wie Elia Frapolli, der Direktor von Ticino Turismo, auf Anfrage erkla╠łrte, habe sich die Zahl der Touristen, die mit dem Zug ins Tessin fu╠łhren, gegenu╠łber fru╠łher deutlich erho╠łht. Doch immer noch bevorzugen viele das Auto. Und dies trotz der Tatsache, dass gema╠łss den weiteren Ausfu╠łhrungen von Frapolli heute fast jedes Dorf im Tessin mit den o╠łffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist und u╠łberdies Hotel- oder Campingga╠łste mit dem Ticino-Ticket gratis die o╠łffentlichen Verkehrsmittel benu╠łtzen ko╠łnnen.

Wenn es zu Ferienzwecken nicht gerade in eine Stadt geht, sondern in die na╠łhere oder weitere Umgebung von Sta╠łdten, bleibt das Auto wohl noch fu╠łr lange Zeit das beliebteste Verkehrsmittel.

Raoul Studer

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