FORD DER GLÜCKSELIGKEIT

Mit dem Vignale verleiht Ford dem Mondeo etwas mondÄnes Flair durch schicke Lacke, Leder und Surround-Sound von Sony. Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen. Wir nahmen schon mal Platz im Herausforderer von Audi und Co.

Den Vignale gibt es nicht nur als Limousine, sondern auch als Kombi. Das führt zu geänderten Subwoofern im Kofferraum.

Schon 15 Jahre arbeiten der japanische Unterhaltungselektronik-Riese Sony und der amerikanische Autohersteller Ford jetzt bereits zusammen, doch meist blieb es nach aussen ruhig um diese Partnerschaft. In Zeiten, in denen B&O, Burmester oder B&W auf die Strasse gehen, wollte das Zweigespann auch nicht mehr sein Licht unter den Scheffel stellen. Schliesslich kann sich der Ford Mondeo Vignale, die Luxus-Variante der eher biederen Mittelklasse-Limousine, nicht nur sehen, sondern auch hören lassen. In den durch allerlei Lederapplikationen aufgewerteten Innenraum musiziert ein 10-Kanal-Surround-Sound-System mit 12 Lautsprechern. Rein äusserlich macht der Ford, der sich hauptsächlich durch seinen wabenförmigen Kühlergrill – das Muster wiederholt sich in der Prägung der Sitzflächen – von der rund 12 000 Schweizer Franken günstigeren Titanium-Version des Mondeo unterscheidet, kein grosses Aufsehen. Er ist ähnlich wie ein Audi A4 in erster Linie für Leute gedacht, die den Nerz nach innen tragen – und für solche, die von der Aussenwelt möglichst entkoppelt reisen möchten. Was vor und an Schalldämmung auffährt, verspricht den Geräuschkomfort der Oberklasse. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die von einer transparenten Absorberfolie getrennten Doppelglasscheiben in den Türen. Die gleichen, vom grundsätzlichen Aufbau her aus Verbundglas gefertigten Windschutzscheiben sorgen für eine nachhaltige Reduktion von Wind- und Umweltgeräuschen. Dazu kommen verbesserte Dämmungspakete, die vor allem am Motorraum, Antriebsstrang und an den Radhäusern in den Kotflügeln ansetzen.

Passivität ist out

Doch mit solchen passiven Massnahmen wollten sich die Entwickler im Falle des Flaggschiffs im europäischen Ford-Programm nicht zufriedengeben. Sie setzen
zusätzlich auf ein aktives elektronisches System, das auf den
gleichen physikalischen Grundlagen wie Noise-Cancelling-Kopfhörer aufbaut. Was bei Bose (wir berichteten) EHC (Engine Harmonics Cancellation) genannt wird, heisst bei Ford ANC (Active Noise Cancellation). Das System verwendet die Lautsprecher des Sony-Sound- Systems, um störende Motorgeräusche durch Gegenschall zu bekämpfen. Dazu nehmen drei an Schlüsselstellen im Dachhimmel platzierte Mikrofone (zwei vorne, eines hinten) die Geräuschemissionen in der Fahrgastkabine auf, um sie in Echtzeit in einem DSP zu verarbeiten. Das Ziel ist die Berechnung eines um 180° gedrehten Antischall-Signals, dessen Wellenberge sich mit den Wellentälern des Lärms auslöschen. In diese Kalkulation fliessen auch Fahrzeugdaten wie Drehzahl oder Lastzustand des Motors ein. Um an sie heranzukommen, zapfen die Entwickler den CAN-Bus, das zentrale digitale Nervensystem des Autos, an, mit dem alle fürs Fahren benötigten Komponenten vernetzt sind. Obwohl das ANC-Prinzip auf Noise-Cancelling-Kopfhörern beruht, gestaltet sich die Umsetzung in einem Fahrzeug ungleich komplizierter als in einem winzigen Kopfhörer, dessen Lautsprecher direkt am Ohr fixiert sind. Die Anwendung setzt zudem voraus, dass die Lautsprecher selbst bei abgeschaltetem Radio immer aktiv sind, und knabbert im Bass einen Teil des für Musik zur Verfügung stehenden Membranhubs und von der Verstärkerleistung ab.

Die Lautsprecher sind keine Hingucker wie bei B&O, aber gut integriert. Die Hochtöner sitzen flach in der Tür.
Die Lautsprecher sind keine Hingucker wie bei B&O, aber gut integriert. Die Hochtöner sitzen flach in der Tür.

Der optimale Arbeitsplatz

Allerdings findet das Sound-System anschliessend optimale Arbeitsbedingungen vor, um die Insassen mit Wohlklang zu verwöhnen, und die üblichen dynamischen Equalizer, die bestimmte Frequenzen geschwindigkeitsabhängig in der Lautstärke anheben, fordern im Bass schliesslich ebenfalls mehr Leistung, wenn sie gegen erhöhten Lärm ankämpfen müssen. Etwas Entertainment wird aber auch dem Motor zugestanden. Mit ESE (Engine Sound Enhancement), bei anderen Herstellern auch EHC (Engine Harmonics Enhance- ment) genannt, bekommen die auf Effizienz getrimmten Vierzylinder einen sportlichen Charakter durch Zugabe von Oberwellen eingehaucht. Auch dazu zieht Ford das Sound- System heran.

Als wir im Sony Center in Berlin die Möglichkeit für einen Sound-Check bekamen, hatten ANC und ESE allerdings Sendepause. Der Ford Mondeo stand immobil auf einem Podest. So konnte sich die Anlage ganz aufs Musikmachen und wir ganz auf den Hörtest konzentrieren. Und das gelang ihr sehr gut. Was uns gefiel, waren die natürlichen Klangfarben, die es locker mit dem in der letzten Ausgabe hervorragend bewerteten Canton-Sound-System des Škoda Superb aufnehmen konnten. Ganz gleich, ob Johnny Cash oder Tori Amos sangen, stimmte die Tonlage und die Sprachverständlichkeit. Auch natürliche Instrumente von der Akustik-Gitarre bis zum Klavier behielten ihre angestammte Tonalität.

Die imaginäre Bühne vor der ersten Reihe wirkte allerdings relativ schmal und recht tief angesiedelt. Je nach Tonlage schienen die Interpreten mehr oder weniger stark aus dem Fussraum zu kommen. Das hängt mit der vergleichsweise niedrigen Position der vorderen, aktiv angesteuerten 2-Wege-Systeme zusammen und man kennt diese Art von Staging auch von zahlreichen weit teureren Autos. Immerhin schienen alle Musiker vor einem zu stehen, ganz unabhängig, ob Stereo auf Surround am Touchscreen angewählt war. Das spricht für ein tolles Timing zwischen den einzelnen Treibern, die übrigens auch einen in der Mitte des Armaturenbretts als Center eingesetzten Mitteltöner plus einen Rear-Center auf der Hutablage beinhalten. Der Bass kam von vorne: Von den im Kofferraum untergebrachten Subwoofern mit zwei 6×9-Zoll-Tief- tönern (für Limousine und Kombi in unterschiedlicher Auslegung) bekam man zumindest in der ersten Reihe nichts Auffallendes mit.

Neben den in Form des Saturn angeordneten Knöpfen bedient man die Anlage mit einem 20,3-cm-Touchscreen.
Neben den in Form des Saturn angeordneten Knöpfen bedient man die Anlage mit einem 20,3-cm-Touchscreen.

Erste Reihe, erste Klasse

Das änderte sich mit dem Umstieg auf die Rückbank, wo sich bestimmte tieffrequente Töne bisweilen wie in einer Glocke rund um die Zuhörer ausbreiteten. Dort vermissten wir auch den präzisen Fokus, den wir aus der ersten Reihe kannten. Das liegt nicht nur an der Position der beiden Treiber, sondern ebenfalls an deren passiver Ansteuerung, die keine Korrekturen von Raum und Zeit zulässt. In der Preis-Klasse von Auto und Anlage geht das allerdings völlig in Ordnung. Die insgesamt 12 Chassis müssen im Vignale allerdings mit nur 10 Endstufenkanälen auskommen. Sony gelang es immerhin, auf allen Sitzen eine tonale Ausgewogenheit und Auflösung zu realisieren, die sich hinter vielen Oberklasse- Limousinen in nichts zu verstecken braucht.

Ford-Schritt durch Individualität

Mit dem in der Schweiz zur Serienausstattung des Vignale gehörenden Sound-System liefern Ford und Sony eine starke Leistung ab, auch wenn sie sich über die Leistung der Class-D- Endstufe ausschweigen.

Nicht nur den Klang hat Sony im Griff, auch das Bedienkonzept gefiel. Es heisst «Saturn», weil der zentrale Lautstärkeknopf – ein grosser, von einem weissen Leuchtring eingesäumter Drehregler – von zwei länglichen Schalt- wippen für Titel-Skip und Sendersuche flankiert wird. Die leuchten ebenfalls weiss und ergeben so das Schema vom Planeten Saturn mit seinen Gasringen. Der Rest wird über Touchscreen gesteuert. Dazu zählen die Umschaltung zwischen Stereo und Surround oder die Klangregelung für Bässe, Mitten und Höhen. Ausserdem versteckten sich in einem Untermenü allerlei Presets für bestimmte Aufnahmen wie Rock, Pop oder Klassik. Auch für Stimmen, Stichwort Hörbücher, gibt es eine Voreinstellung. Ein kurzer Check der Presets ergab erfreulicherweise, dass es die Entwickler nicht wie bei einigen AV-Receivern zu weit treiben und damit alles sozusagen versalzen. Der unter den mittleren Lüftungsdüsen platzierte 20,3-cm-Bildschirm ermöglicht ausserdem eine kombinierte Regelung von Balance zwischen links und rechts plus Fader zwischen vorne und hinten.

Roadmovie gefällig?

Zum Infotainment-System gehören in der höchsten Ausbaustufe mit dem «Connectivity»-Paket neben dem Sony-Navigationssystem mit westeuropäischer Strassenkarte eine Freisprecheinrichtung sowie Bluetooth-, USB- und AUX-Schnittstellen. DAB/DAB+ sowie ein unter dem Touch-Display leicht zugänglich angebrachtes CD-Schlitzlaufwerk stehen als Quellen ebenfalls zur Auswahl. Wer dann noch einen Roadmovie zur Abrundung des Entertainmentangebots sehen mag, der braucht nur den Rückwärtsgang einzulegen, dann erscheint auf dem Bildschirm das Video der Rückfahrkamera.

Den Mondeo gibt es ab 46 800 CHF als Limousine und ab 31 900 CHF als Kombi in der Stan- dardfarbe Shadow Black oder Magnetic. Darüber hinaus stehen nur zwei Sonderfarben (Nocciola und White Platinum) zur Auswahl. Die Motorenpalette reicht vom 180-PS-Turbo- Diesel bis zum 240-PS-Turbo-Benziner – alle mit vier Zylindern.

Die Gestalter des Vignale holten sich ihre Inspirationen in der Design- und Modewelt und kreierten eine Begleitlinie an Accessoires, die das Styling und die Verarbeitungsqualität spiegelt. Die Vignale-Lounge innerhalb der Ford-Niederlassungen soll den Premium-Kunden ein stressfreies Einkaufserlebnis in entspannter Umgebung bieten. Über den Touchscreen auf der Tischoberfläche können Interessenten sämtliche Ausstattungsmerkmale erkunden und dabei ein Schweizer Kaffee-Erzeugnis geniessen. Zudem gibt es für die Glückseligen weitere Privilegien wie Vignale Onecall – Kundenbetreuung rund um die Uhr oder Abhol- und Bringdienste.

Damit der Vignale mit seinen auf Effzienz getrimmten Vierzylinder-Motoren den Geräuschkomfort der Oberklasse bietet, forschte Ford auf dem Akustik-Prüfstand an besserer Schalldämmung, dreilagigem Akustik-Glas und an Active Noise Cancelling.
Damit der Vignale mit seinen auf Effzienz getrimmten Vierzylinder-Motoren den Geräuschkomfort der Oberklasse bietet, forschte Ford auf dem Akustik-Prüfstand an besserer Schalldämmung, dreilagigem Akustik-Glas und an Active Noise Cancelling.

KASTEN:

Sony fährt mit der Entwicklung Ford -Wir hörten den Prototyp eines neuen Sound-Systems

Dass trotz aller Klangkultur des Vignale noch et- was mehr möglich ist, bewies der Prototyp eines Sound-Systems in einem zweiten Ford Mondeo. Es verfügte über Live-Acoustics-Raumklang, hinter dem die gleichen Köpfe stehen, die auch für die DSP-Effekte der AV-Receiver des japanischen Herstellers zuständig sind. Die zweite Innovation nennt sich Clearphase. Dabei handelt es sich um eine Phasen- und Frequenzgangkorrektur, die als Software-Lösung realisiert wurde, die von der Hardware her auf dem bereits erhältlichen Set- up aufbaut. Darüber forscht Sony intensiv an der Integration der Magnetic-Fluid-Technologie aus den Sony-Flachfernsehern. Dort gilt es wie im Fahrzeug, Einbautiefe zu sparen, um möglichst grosse Membranen verwenden zu können, die viel Luft bewegen. Aus diesem Grund spart Sony die übliche Zentrierspinne ein, die ein Taumeln der Membran zugunsten eines perfekten Kolbenhubs verhindern soll. Die neuen Lautsprecher brauchen keine doppelte Einspannung. Doch diese Technologie ist noch einen Schritt weiter als der vielversprechende Prototyp.

Magnetic-Fluid-Membranen genügt die Sicke, die in Verbindung mit dem besonders engen Magnetspalt für die nötige Führung der Schwingspule sorgt. Das Prinzip erinnert an den Kolben eines Motors, der ebenfalls spielfrei in der Laufbuchse des Zylinders geführt wird. Um ein Festfressen zu verhindern, trennt Schmieröl Kolben und Zylinderwand. Diese Rolle übernimmt bei Sony das Magnetic Fluid. Das Bauprinzip spart nicht nur Bautiefe, weil der Magnet dichter an die Membran heranrückt, der engere Luftspalt des Antriebsmagneten sorgt auch für höhere Magnetfelddichte, was der Effizienz des Antriebs zugutekommt.

Die Komponenten des Sony-Sound- Systems umfassen 12 Lautsprecher und eine 10-Kanal-Endstufe.
Die Komponenten des Sony-Sound- Systems umfassen 12 Lautsprecher und eine 10-Kanal-Endstufe.

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