Ferrari 250 GT/L – der letzte einer langen Reihe

Mit dem 250 GT/L (f├╝r ┬źLusso┬╗) kam es dann f├╝r die 3-Liter-V12-Ferrari zu einem sch├Ânen Ende.

  • Gebaut von 1962 bis 1964
  • 350 Exemplare produziert
  • Ein Meisterwerk von Pininfarina

Bereits ab 1959 war der 250 GT mit kurzem Radstand (2,4 statt 2,6 Meter, genannt SWB) auf dem Markt ÔÇô und sein Fahrverhalten ├╝bertraf den ┬źLangen┬╗ (LWB) um Welten, Giotto Bizzarrini hatte das Fahrwerk des so klassischen Ferrari auf ein ganz neues Niveau gebracht, was sich mit reichlich Erfolgen auf der Rennstrecke ausdr├╝ckte. Aber Enzo Ferrari wusste, dass Maranello auch auf dem kurzen Chassis nicht nur renntaugliche ┬źGran Turismo┬╗ konstruieren musste, dass es die Kundschaft nach luxuri├Âseren, alltagstauglicheren Sportwagen gel├╝stete ÔÇô und dass sich damit viel Geld verdienen liess. Zwar hatte Ferrari mit dem 250 GTE 2+2 (ab 1960) schon einen Viersitzer (mit langem Radstand) im Programm, doch da war ja auch noch Platz f├╝r einen ┬źkurzen┬╗ Nachfolger des 250 GT Coup├ę, das seit 1958 auf dem Markt war.

Ein aus jedem Blickwinkel sch├Ânes Automobil: der 250 ┬źLusso┬╗ – ┬ęCourtesy of RM Sotheby’s

Der Entwurf, den Pininfarina f├╝r Ferrari erarbeitete und der im Herbst 1962 in Paris zu bewundern war, fand sofort grosse Zustimmung. Der 250 GT/L (L steht f├╝r ┬źLusso┬╗, unter diesem Namen wurde das Modell dann auch bekannt) war der eleganteste Ferrari bislang, nicht so gnadenlos sportlich wie die 250 GT SWB Berlinetta, mit seinen Rundungen vielleicht sogar etwas schw├╝lstig. Doch er sieht aus jeder Perspektive gut aus, der grazile Pavillon, der zu schweben scheint, das steil abfallende (Kamm)-Heck. Gebaut wurden die meisten dieser Ferrari 250 GT Lusso bei Scaglietti.

Auch die Heckansicht darf als absolut gelungen bezeichnet werden – ┬ęCourtesy of RM Sotheby’s

Auch innen herrschte fast so etwas wie ├ťberfluss, viel Leder, saubere Verarbeitung ÔÇô Ferrari wusste schon, was er seinen reichen Kunden bieten musste. Wobei: die Schalensitze liessen sich nicht verstellen, nur die Pedale konnten um f├╝nf Zentimeter verschoben werden. Speziell ist auch, dass der Tacho und der Drehzahlmesser sich nicht direkt vor den Augen des Piloten befanden, sondern ├╝ber der Mittelkonsole positioniert wurden ÔÇô immerhin dem Fahrer zugewandt. Und weil der Kofferraum mit dem Ersatzrad ÔÇô ja, das gab es damals noch ÔÇô schon quasi komplett ausgef├╝llt war, sollten die Passagiere ihr Gep├Ąck hinter den Vordersitzen unterbringen.

Innen herrschte viel Luxus, ┬źLusso┬╗ eben – ┬ęCourtesy of RM Sotheby’s

Als Antrieb diente weiterhin der Colombo-V12. Die Maschine, die ihre Karriere als 1,5 Liter begonnen hatte, leistete im Lusso als Dreiliter (Bezeichnung: 168/U) beachtliche 255 PS bei 7000/min, dies auch dank der drei Weber-36DCS-Doppelvergaser. Geschaltet wurde weiterhin nur ├╝ber vier G├Ąnge, es standen aber zwei unterschiedliche ├ťbersetzungen zur Verf├╝gung, einmal sportlich, einmal sehr sportlich. ┬źRoad & Track┬╗ mass eine Beschleunigung von 0 auf 100 in acht Sekunden sowie eine H├Âchstgeschwindigkeit von 240 km/h. Als Gewicht gab Ferrari 1020 Kilo an, der Testwagen von ┬źRoad & Track┬╗ wog aber beachtliche 1380 Kilo.

Der letzte Auftritt des Colombo-V12 als 3-Liter – ┬ęCourtesy of RM Sotheby’s

Der Chronist kann sich noch erinnern, dass die 250 GT Lusso einst f├╝r f├╝nfstellige Franken-Betr├Ąge zu haben waren (was nicht allein am Alter des Chronisten liegt); heute kosten sch├Âne Exemplare siebenstellig, sie geh├Âren zu den Ferrari-Modellen, die weiterhin einen sch├Ânen, regelm├Ąssigen Zuwachs bringen. 350 St├╝ck sollen gebaut worden sein, denn schon 1964 wurde die Produktion wieder eingestellt – der so wunderbare Ferrari 250 GT war endg├╝ltig Geschichte.

G├╝nstiger werden sie nicht mehr, die Ferrari 250 GT/L – ┬ęCourtesy of RM Sotheby’s

In der monatlich erscheinenden Klassik-Beilage der AUTOMOBIL REVUE finden Sie immer sch├Âne Old- und Youngtimer. Abos gibt es: hier. Ansonsten entsteht hier eine sonnt├Ągliche Reihe von Ferrari, da haben wir eine Liste mit diesen sch├Ânen Geschichten erstellt, zu bewundern: hier.

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