Nicht mehr mild

Der Suzuki Vitara ist seit 2015 auf dem Markt. Jetzt kommt der Vollhybrid. Lohnt sich diese Ausführung?

Für den Begriff Hybrid gibt es keine einheitliche Definition. Bei Suzuki handelte es sich bei den so bezeichneten Modellen bis vor Kurzem durchgehend um Mildhybride, erst jetzt kommen mit der Einführung von S-Cross Hybrid und Vitara Hybrid die ersten echten Suzuki-Hybride.

Dort kombinieren die Entwickler den freisaugenden 1.5-Liter-Vierzylinder mit 75 kW (102 PS) mit einer integrierten Motor-Generator-Einheit. Die Systemleistung steigt durch den Eingriff auf 85 kW (115 PS). Der Startergenerator kann beim Vitara unter bestimmten Bedingungen  dank der Lithium-Ionen-Batterie auch allein den Vortrieb übernehmen. Das ist etwa beim Anfahren der Fall, aber auch bei gleichmässiger Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h in der Ebene. Im Normalfall aber unterstützt der Elektromotor den Verbrennungsmotor und sorgt etwa auf der Autobahn oder auf Passfahrten für zusätzlichen Schub.

Wenn die Batterie leer ist, was hin und wieder vorkommen kann, haben die 102 verbleibenden Pferdchen aber spürbar Mühe, die 1340 Kilogramm des Vitara zu beschleunigen. Überholmanöver auf der Autobahn werden zur Qual, für den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h ermittelten wir bei unseren Messungen eine Zeit von rund zwölf Sekunden. Da ist der Mildhybrid-Vitara dank seiner Leistung von 95 kW (129 PS) deutlich flotter unterwegs. Erstaunlich ist aber, dass sich dieser auch als deutlich sparsamer erweist. Der etwas grössere S-Cross 1.4 T (AR 8/2022) schaffte die AR-Normrunde mit 5.8 l/100 km, der Vitara brauchte sechs Liter. Die unsanft schaltende Automatik vermag die Schwäche des Motors nicht zu kaschieren. Das Getriebe hält die Gänge lange und sorgt damit für ein lästiges Dröhnen der Maschine.

Gut in der Stadt

Flotte Passfahrten sind nicht nur wegen des sich abmühenden Antriebs das falsche Betätigungsfeld für den Vitara Hybrid, auch das auf Komfort ausgelegte Fahrwerk kommt rasch an seine Grenzen. Auf Landstrassen und im Stadtverkehr fühlte sich der Vitara Hybrid hingegen wohl. Bei diesem Einsatz schmeichelt sich der Wagen mit einer harmonischen Verbindung des Verbrennungsmotors mit der Elektromaschine bei den Insassen ein. Die Stossdämpfer filtern kleine und grössere Unebenheiten weg, der Komfort ist entsprechend gut.

Der Innenraum erweist sich für dieses Segment als recht geräumig, auch im Fond. Schade ist hingegen, dass die Sitzposition für gross gewachsene Fahrer eng ausfällt. Trotz seines Facelifts von 2018 kann der Vitara seinen Ursprung im Jahr 2015 nicht verstecken. Gerade das Infotainment hinkt den jüngeren Systemen hinterher. Die Grafiken wirken grobschlächtig, die Bedienung ist nicht intuitiv. Punkte sammelte der Vitara mit den physischen Knöpfen für Heizung und Klima. Die Abstimmung der Fahrerassistenzsysteme müssen sich die Techniker nochmals vornehmen. Die elektronischen Augen irrten sich wiederholt bei den angezeigten Tempolimiten, und die Kollisionswarnung spricht äusserst sensibel an. Das ist glücklicherweise nicht der Fall beim diskreten und wirksamen Spurhalteassistenten.

Der Vitara kann in der Schweiz auf einen Trumpf zählen: Er ist einer der wenigen Allradler in seinem Segment. Aber das ist der Vitara Mildybrid auch – und der ist günstiger, kräftiger, sparsamer, schneller und geräumiger.

Testergebnis

Gesamtnote 64/100

Antrieb

Der 1.5-Liter-Hybrid des Suzuki Vitara bietet mittelmässige Fahrleistungen bei mittelmässigem Verbrauch. Der Allradantrieb ist ein grosses Plus.

Fahrwerk

Das Fahrwerk ist auf Komfort ausgerichtet, was es auch ganz gut macht.

Innenraum

Das Interieur ist geräumig, aber die Batterie frisst Platz im Kofferraum.

Sicherheit

Die Assistenzsysteme sind durchschnittlich.

Budget

Der Vitara Hybrid ist teurer als der stärkere 1.4 T Boosterjet mit Mildhybrid und fast so teuer wie der grosse Bruder S-Cross.

Fazit 

Der erste Vollhybrid von Suzuki ist apathisch und auch nicht sehr sparsam. Der 1.4 T Boosterjet mit Mildhybridantrieb ist die bessere Wahl, ­wobei man hier auf das Automatikgetriebe verzichten muss. Als Alternative bietet sich der grosser Bruder des Vitara, der S-Cross, an.

Die technischen Daten und unsere Messwerte zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper der AUTOMOBIL REVUE.

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