IM WARTSAAL STATT IM COCKPIT

Weil der TCR-Opel nicht rechtzeitig fertig wurde, reduziert sich die Saison der Appenzellerin Jasmin Preisig auf ein Minimum.

Die Premiere des Opels in der neuen ADAC-TCR-Deutschland-Serie ist gelungen: Gleich beim ersten Auftritt des neu aufgebauten Astra TCR auf dem Nürburgring feierte das belgische Team DG Sport Competition mit den Piloten Jordi Oriola (20, Spanien) und Pierre Yves Corthals (40, Belgien) zwei Podestplätze. Die Appenzellerin Jasmin Preisig fuhr in beiden Rennen auf Rang 13. Bis es freilich endlich soweit war, dass der Opel über die Rennstrecke rasen und im Kampf um die Podestplätze der spektakulären Serie (s. Text unten) mitmischen konnte, hat es gedauert. Und wie. «Eigentlich hatte ich geplant, die gesamte Saison zu fahren», sagt Preisig. Die Saison, die notabene am 15. April in Oscherleben begonnen hätte.

Tolstois Worte
Hätte … Nach dem ersten Lauf im Rahmen der TCR auf internationaler Ebene in Bahrain ging man bei Opel noch einmal über die Bücher. Das Ding mit seinen gut 320 PS lief noch nicht so, wie man sich das erhofft und erwartet hatte. Also wurden all diejenigen, welche in den auf diese Saison hin national lancierten TCR-Serien auf einen Opel bauten, vorderhand im Wartesaal parkiert. Ganz nach dem Motto: «Bestellt und nicht geliefert.» — «Ich war schon enttäuscht und hab mich auch geärgert», sagt Jasmin Preisig. Sie und ihrem Team von Lubner Motorsport blieb jedoch nichts anderes übrig, als zu warten, zu warten und zu warten … Zeit, um mehr zu arbeiten, Geld zu verdienen und sich etwas mehr zu erholen; aber auch um den einen oder anderen Termin wahrzunehmen. Als einzige Pilotin im TCR-Deutschland-Feld wurde die Schweizerin vom Hersteller an einen Presse-Event auf den Nürburgring eingeladen, anlässlich dem sie für die Serie, aber auch für sich selbst, etwas die PR-Trommel rühren durfte. Ein kleiner Frauenbonus vielleicht. Hinzu kam ein Einsatz im OPC-Auto anlässlich der VLN. Mehr testen respektive den Renn-Modus fühlen konnte Preisig jedoch nicht. «Wir hatten ja unser altes Auto verkauft in der Annahme, dass der TCR-Astra rechtzeitig fertig wird», sagt die Tochter aus dem Haus Auto Preisig AG in Schwellbrunn. Vater Walter fuhr früher selber Bergrennen.
Nun, schliesslich «nimmt alles ein gutes Ende für den, der warten kann», hat Leo Tolstoi einmal gesagt. Und in der Tat – wie eingangs erwähnt, strahlte der Astra, was lateinisch für «Sterne» steht, bei seinem Debüt. «Das «Rennen auf dem Nürburgring hat gezeigt», so die 24-Jährige, «dass das Auto konkurrenzfähig und viel damit möglich ist.» In der Tat: Alle 21 Autos waren auf dem Nürburgring, was die schnellste Runde angeht, innerhalb von 21 Sekunden klassiert. Eine unglaubliche Dichte also, die für spannendsten Motorsport bürgt. Ein programmiertes Gedränge wie an der Expo in Mailand.

Als das Auto endlich da war, reichte die Zeit nicht mehr, um ihm bis zum ersten Rennen einen finalen «Look» zu verpassen. Hauptsache aber, es fährt …
Als das Auto endlich da war, reichte die Zeit nicht mehr, um ihm bis zum ersten Rennen einen finalen «Look» zu verpassen. Hauptsache aber, es fährt …

2017 auch dabei
Zuletzt hatte das Warten für Jasmin Preisig und ihre erste TCR-Saison wie eingangs erwähnt endlich ein Ende. Dass sie am kommenden Wochenende, am vorletzten Lauf der deutschen TCR-Serie im holländischen Zaandvoort, nicht fährt, respektive auf einen Start verzichtet, tut sie freiwillig. «Es macht irgendwie keinen Sinn, nachdem wir nun schon zwei Drittel der Saison verpasst haben, die Kosten für diese lange Reise auf sich zu nehmen.» Zu den Reise- und Aufenthaltskosten für einen Start in Nordholland gesellten sich, je nach dem, ja dann auch noch Kosten, um das Auto fürs Saisonfinale Ende September auf dem Hockenheimring wieder fit zu machen. Eventuell wohlverstanden: «Es wird definitiv mit viel härteren Bandagen gefightet als in der OPC Challenge, in der ich letztes Jahr unterwegs war», sagt Jasmin Preisig. «Ohne die Ellbogen auszufahren geht es nicht», räumt die einzige Pilotin im TCR-Deutschland-Feld ein, die im «normalen» Leben 80 Prozent auf der Ausgleichskasse und IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden arbeitet. Freilich versteht sich die Ostschweizerin am Lenkrad zu wehren. Schliesslich sass sie schon mit sechs Jahren im Kart und hat da auch gelernt, wie man sich und seine Posi­tion verteidigt. Sowieso steht jetzt schon fest, dass Jasmin Preisig auch in der nächsten Saison mit Lubner Motorsport den TCR-Deutschland Cup fahren wird. Und dies dann, aller Wahrscheinlichkeit nach, sogar von allem Anfang an.

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